Low Performer – Die unterschätzte Stärke des Unternehmens

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24. Januar 2024
Foto: Katze und Hund liegen beieinander; Bild zum Thema Low Performer

In der heutigen wettbewerbsintensiven Geschäftswelt wird oft der Fokus auf Spitzenleistungen gelegt. Unternehmen streben danach, die Besten der Besten zu sein, und Mitarbeiter werden oft an ihren Leistungen gemessen. Doch was ist mit den sogenannten "Low Performern"? Jene, die nicht auf den ersten Blick als Überflieger erscheinen, könnten möglicherweise unterschätzte Ressourcen und Potenziale bergen.

Für Arbeitgeber stellt sich dabei in erster Linie die Frage, wie man rechtlich gegen solche Verhaltensweisen vorgeht beziehungsweise diese Arbeitnehmer am besten schnellstmöglich wieder loswird.

Möglicherweise können die „faulen“ Kollegen aber einen positiven Effekt auf das Unternehmen haben.

    1. Vielfalt der Perspektiven: Low Performer haben oft eine einzigartige Sichtweise auf die Dinge. Da sie nicht immer den Mainstream verfolgen, können sie neue Ideen und Perspektiven einbringen, die in einem Unternehmen zu Innovationen führen können. Der Fokus auf Vielfalt in den Teams kann eine Quelle kreativer Lösungen sein, die sonst möglicherweise übersehen werden.
    2. Widerstandsfähigkeit und Ausdauer: Low Performer haben oft mit Herausforderungen zu kämpfen und entwickeln eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Diese Eigenschaft kann in schwierigen Zeiten von unschätzbarem Wert sein. Mitarbeiter, die gelernt haben, mit Widrigkeiten umzugehen, können sich als äußerst widerstandsfähig erweisen und dazu beitragen, dass ein Unternehmen auch in turbulenten Phasen stabil bleibt.
    3. Entwicklungspotenzial: Der Fokus auf High Performern kann dazu führen, dass Unternehmen das Entwicklungspotenzial ihrer Mitarbeiter übersehen. Low Performer könnten unentdeckte Talente und Fähigkeiten haben, die mit der richtigen Unterstützung und Förderung ans Licht kommen. Ein gezieltes Mentoring und Coaching können dazu beitragen, das Potenzial dieser Mitarbeiter zu entfalten.
    4. Teamdynamik: Das Streben nach Exzellenz kann zu einem Wettbewerb unter den Mitarbeitern führen, der die Teamdynamik beeinträchtigt. Low Performer neigen dazu, mehr auf Kooperation und Zusammenarbeit ausgerichtet zu sein, da sie oft auf die Unterstützung ihrer Kollegen angewiesen sind. Dies kann eine positive Teamkultur fördern und zu einer effizienteren Arbeitsumgebung beitragen.

Fazit: Möglicherweise sollte also der Begriff "Low Performer" neu überdacht und die Potenziale dieser Mitarbeiter erkannt werden. Die Schaffung einer inklusiven Arbeitsumgebung, die das Potenzial (Stärke) aller Mitarbeiter erkennt und fördert, kann einen nachhaltigen Beitrag zum Erfolg eines Unternehmens leisten.

Was ist aus rechtlicher Sicht zu beachten?

Ab wann jemand rechtlich als Low Performer gilt, ist nicht definiert. In Bezug auf Leistung und Kündigung können aber folgende Punkte relevant sein:

  1. Kündigungsschutz: In Deutschland besteht ein genereller Kündigungsschutz für Arbeitnehmer. Kündigungen müssen gerechtfertigt sein, und es gibt klare Voraussetzungen für eine rechtmäßige Kündigung. Grundsätzlich ist eine Kündigung aufgrund von schlechter Leistung möglich, allerdings muss der Arbeitgeber nachweisen können, dass die Leistung des betreffenden Arbeitnehmers deutlich hinter der von vergleichbaren Arbeitnehmern zurückbleibt.
  2. Arbeitszeugnis: Selbst, wenn ein Mitarbeiter als "Low Performer" betrachtet wird, hat er Anspruch auf ein wohlwollendes Arbeitszeugnis. Das Zeugnis darf keine negativen Formulierungen enthalten, die die Zukunft des Mitarbeiters beeinträchtigen könnten. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine objektive und wahrheitsgemäße Beurteilung abzugeben.
  3. Förderung und Schulung: Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um die Leistung der Mitarbeiter zu verbessern, bevor sie Kündigungen in Betracht ziehen. Dazu gehören Schulungen, Coachings und andere unterstützende Maßnahmen.
  4. Sozialauswahl bei Massenentlassungen: Bei Massenentlassungen muss der Arbeitgeber gemäß dem deutschen Kündigungsschutzgesetz eine Sozialauswahl durchführen. Hierbei werden nicht nur die Leistungen, sondern auch soziale Kriterien wie Familienstand und Unterhaltsverpflichtungen berücksichtigt.

Es ist wichtig, dass Arbeitgeber im Umgang mit leistungsschwachen Mitarbeitern die arbeitsrechtlichen Bestimmungen genau einhalten, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Im Zweifelsfall sollte rechtlicher Rat von einem Anwalt für Arbeitsrecht eingeholt werden, um sicherzustellen, dass alle Vorschriften eingehalten werden.

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